Vermittlung von Projektkompetenz

Errichtung einer Kletterwand durch eine Zimmererklasse an der Steinbeisschule Stuttgart, 2003

Zu dem Zitat des Turnvaters Jahn, dass nur in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist wohne, kann man zwar stehen wie man möge, eines ist aber sicher, der Breitensport trägt wesentlich zur Erziehung Heranwachsender bei. – Aber was hat Sport mit der Ausbildung zum Zimmerer an der Steinbeisschule Stuttgart zu tun? Sehr viel, so ist die Meinung einiger Lehrkräfte und vieler Schüler, denn der Erwerb von Handlungskompetenz ist nur in Verbindung mit dem Erwerb von Sozialkompetenz möglich. Und genau hier kann der Sport einen wesentlichen Beitrag leisten.

Seit mehr als drei Jahren wird im Berufsfeld Bautechnik nach der Lernfeldkonzeption ausgebildet. Ein Ziel dabei ist auch, den Schülern ein gewisses Maß an Projektkompetenz zu vermitteln. Ganz einfach ausgedrückt sollen die Schüler hier lernen, möglichst selbständig unter pädagogisch ganzheitlichen Gesichtspunkten verantwortungsbewusst eine Arbeit zu planen, durchzuführen und zu beurteilen.

Nachdem die Schüler einer Zimmerer-Fachstufenklasse im Rahmen des Sportunterrichts im Wahlpflichtbereich mit ihrem Klassenlehrer eine Indoor - Kletteranlage besuchten, stellten sie die naheliegende Frage, warum es dergleichen nicht an ihrer Schule gebe. Und damit war die Idee für ein Projekt besonderer Art geboren.

Die Idee

Die Schüler hatten den Wunsch, für ihre Schule eine Kletterwand zu bauen.

Für den kletterbegeisterten Lehrer war dieser Wunsch zum einen eine willkommene Themenwahl, zum andern aber stellten sich sehr viele rechtliche, schulorganisatorische, konstruktive und finanzielle Fragen. Dank einer sehr aufgeschlossenen Schulleitung, sehr engagierter und begeisterungsfähiger Kolleginnen und Kollegen konnten in kurzer Zeit die Fragen geklärt und die Projektarbeit begonnen werden.

Die Planungsphase

In einer ersten Phase erstellten die Schüler einen Projektplan, beschafften sich Informationen über die verschiedensten Kanäle (Besuch bei einem Kletterwandhersteller, Recherchen im Internet, Fachliteratur usw.) und stellten mögliche Alternativen in Zeichnungen dar. Favorisiert wurde dann der Entwurf einer Kletterwand mit einer Eckverschneidung und einem überhang.

 

Als Standort entschied man sich für die Sporthalle der Steinbeisschule. Ein Lehrer befasste sich mit der statischen Berechnung, auf deren Grundlage die Schüler Konstruktions- und Detailpläne erstellen konnten. Nach diesen Plänen wurden in Gruppenarbeiten zwei Modelle gebaut, die die Anlage auch Nichtbeteiligten gut veranschaulichte.

Die Modelle dienten auch einem Probehandeln im Hinblick auf die Herstellung des Tragwerkes, außerdem konnte an den Modellen auch das Tragverhalten modellhaft experimentell nachgewiesen werden.

Das Ergebnis

Alle Beteiligten waren der Meinung, dass über die Projektarbeit ein hohes Maß an Handlungskompetenz, insbesondere an Methoden- und Sozialkompetenz zu vermitteln ist. Besonders auffällig war, dass die Schüler einen neuen Bezug zu ihrer Schule bekamen. Sie sahen in ihrem Projekt einen Beitrag zu einer langfristigen Verbesserung der Lern- und Arbeitsatmosphäre. Vielleicht motiviert dies den einen oder anderen am Projekt beteiligten Schüler, zu einem späteren Zeitpunkt seine Ausbildung an der Zimmerer-Meisterschule oder Technikerschule fortzusetzen.

Die Realisierung

In der zweiten Projektphase wurde in einer sogenannten Projektwoche die Kletteranlage gebaut. Aufgrund der gelungenen Planungs- und Arbeitsvorbereitungsphase lief alles reibungslos ab. Die Schüler arbeiteten voller Eifer in einer sehr harmonischen Atmosphäre; dasselbe galt auch für die betreuenden Lehrkräfte.

© Balder Batran und Michael Kässer

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